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2. Adair

  Adair kam gerade mit seiner Gef?hrtin aus der Krankenstation. Natürlich hatte er sie nicht eher gehen lassen, bis Ailis sie noch einmal gründlich untersucht hatte. Ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen standen... zusammen mit denen seiner Welpen... an erster Stelle. Auch wenn sein Schmerz und die Trauer über den Verlust seines Vaters noch tief in ihm sa?en. Aye, durch all das hatte er sich diesen einen Augenblick noch nicht gestattet... den Gedanken daran, wen er vor seinen Augen verloren hatte. Erst als er in Sorchas smaragdgrüne Augen geblickt hatte… erst da hatte Adair losgelassen und seine Gefühle nicht mehr kontrollieren k?nnen. Sie war seine zweite H?lfte, und nur bei ihr durfte er sein, was er am dringendsten brauchte... getr?stet, gehalten, gew?rmt... und vor allem nah bei ihr. Dasselbe brauchte sein Wolf, weil ihre W?lfin pr?sent sein musste.

  In der Schlacht vor dem Galloway Forest war alles blitzartig abgelaufen. Seine Sorge um seine Gef?hrtin war überw?ltigend gewesen, er hatte nur bei ihr sein und ihr helfen wollen… ebenso an ihrer Seite stehen, als Sorcha schwerverletzt hinten im Auto hing. Der Unfall spielte sich noch immer in seinem Kopf in Zeitlupe ab. Immer und immer wieder, als w?re es eine Endlosschleife. Sein Herz war stehen geblieben... egal, was aus ihm selbst geworden w?re. Er hatte so gut wie keine Verletzung von den überschl?gen abbekommen. Doch Adair hatte nicht z?gern dürfen. Er musste den Feind zurückschlagen, bevor es überhaupt keine Chance mehr auf Leben gab. Sein Vater hatte ihm zur Seite gestanden, mit scharfen Klauen und blitzenden Rei?z?hnen. Sie hatten bis aufs Blut gek?mpft… um das zu beschützen, was sie am meisten liebten.

  Es hatte einen Augenblick gegeben, in dem Adair ernsthaft gezweifelt hatte, dass sie lebend aus dieser Situation herauskommen würden... egal, wie wild und mit welchem Enthusiasmus sie k?mpften. Die J?ger waren in der überzahl gewesen, und das mit einer Effizienz, als h?tten sie alles bis ins Detail geplant. Als h?tten sie genau gewusst, wohin sie unterwegs waren. Das heizte seine Wut nur noch weiter an, denn sie wussten inzwischen, woher dieser Verrat rührte. Deshalb hatte Adair auch den Blick jenes J?gers in der Stadt sofort erkannt... diese Provokation, dieses Wissen in seinen violetten kalten Augen. Er wusste etwas, von dessen schrecklichem Ausma? die anderen noch nichts ahnten. Nun hatten sie am eigenen Leib erfahren, wie nah und erschreckend die Bedrohung bereits in ihrem Nacken sa?.

  Gedanklich hatte Adair die Verbindung zu seinem Beta aufgenommen... der Mondg?ttin sei Dank war der in der N?he gewesen. Erst das ferne Heulen seines Wolfes hatte ihm einen neuen Funken Hoffnung gegeben. Erstaunlicherweise hatte sich Eoghan mit an die Front gestürzt. Er war wie ein blutrünstiger Berserker über das Schlachtfeld gestürmt, als g?be es keinerlei Barriere für ihn. Adair hatte schon vieles gesehen, aber selbst er und sein Wolf hatten kurz innehalten müssen, als Eoghan sich mit seiner Axt durch das Feld schlachtete, als w?re er in diesem Augenblick erst wirklich lebendig. Aye, in diesem Moment war er heilfroh, ihn nicht als Feind, sondern als Verbündeten an seiner Seite zu haben.

  Adair kam mit Sorcha nicht wirklich weit über das Rudelgel?nde. Die Trauer hing schwer in der Luft, denn sie hatten vier Mitglieder verloren... wichtige Familienmitglieder und geliebte Personen. Doch als er aufschaute, erkannte er Shanna, die voller Panik auf sie zueilte. Sein Wolf brummte noch immer voller Hochachtung, als er daran dachte, wie sie ohne zu z?gern einem der J?ger den Dolch ins Herz gesto?en hatte. Kaltblütig und rational, als w?re es das Normalste der Welt. In diesem Moment hatte Adair die J?gerin in ihr erkannt. Doch jetzt, als er in ihr Gesicht blickte, war von dieser Emotionslosigkeit nichts mehr zu sehen... nur schiere, nackte Angst.

  ?Sorcha… Alpha Adair…“, keuchte Shanna, als h?tte sie einen Marathon hinter sich. ?Endlich…“

  ?Was… was ist denn los?“, fragte Sorcha voller Sorge und eilte ihrer Freundin mit offenen Armen entgegen. Tiefe Besorgnis stand in ihrem hübschen Gesicht.

  ?Habt… ihr Neil gesehen?“, fragte Shanna mit zitternder Stimme. Ihre violetten Augen waren eine stumme Bitte. Aye, sie war definitiv anders als die J?ger, von denen sie gestern angegriffen worden waren. Ohne jeden Zweifel.

  ?Neil hat gestern die Einheit geleitet“, antwortete Adair stirnrunzelnd, w?hrend er innerlich den Ablauf durchging. ?Er w?re auch für das Aufr?umen zust?ndig. Das kann manchmal l?nger dauern... wir machen unsere Sache gründlich, damit keine Beweise zurückbleiben. Nichts darf auf eine Schlacht im Verborgenen hindeuten.“

  ?Ich war gestern auch dabei“, entgegnete Shanna. Ihr Blick verengte sich leicht, als missfiele ihr seine Erkl?rung. ?Au?erdem habe ich einige seiner Krieger gesehen... sie sind alle wieder hier. Nur Neil ist nicht zurück.“

  Leichte Sorge breitete sich in Adair aus. Er ging in sich und berührte das Rudelband zu seinem alten Freund. Die Verbindung war noch da, summte aber nur leise, als halte Neil sich in gro?er Ferne auf. Einen mentalen Kontakt konnte er nicht herstellen. Ein leises Knurren brach aus Adairs Brust hervor. ?Wir sollten in mein Arbeitszimmer gehen“, befahl er streng, führte die beiden Frauen zum Rudelhaus und verschloss die Tür hinter sich, als sie sein Arbeitszimmer betreten hatten. Erst als sie unter sich waren, fragte er: ?Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?“

  Shanna stand mitten im Raum, als w?re sie verloren, und erwiderte seinen Blick. ?Als ich von ihm den Befehl bekam, dass ich Sorcha in Sicherheit bringen soll“, erz?hlte sie. ?Er k?mpfte weiter mit, aber die Priorit?t lag bei unserer Luna... und sie brauchte dringend einen Heiler.“ Da verstand Adair, dass Shanna ihre Freundin bis nach Hause getragen haben musste, damit sie rechtzeitig Hilfe bekam. Eines musste er dieser Frau wirklich hoch anrechnen... sie war eine Hunterin, aber keine Gestaltenwandlerin, aber sie versuchte wahrhaftig, sich in das Rudelleben einzufügen. Sie wollte es wirklich.

  ?Das… verstehe ich nicht“, murmelte Sorcha nachdenklich und runzelte die Stirn. ?Egal, wie oft ich es versuche... ich kann nicht nach meinem Bruder greifen.“ Ihre Stimme wurde heiser und ?ngstlicher. ?Seine Rudelverbindung ist nur ein fernes Vibrieren, als w?re er weit weg. Unerreichbar für Kontakt oder dafür, dass jemand wei?, wo er sich befindet.“ Ein Tr?nenschleier bildete sich in ihren grünen Augen, als befürchtete sie das Schlimmste. Adair schloss sie sofort in seine Arme.

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  Shanna zischte leise, und ihr Gesicht verzog sich schmerzhaft. ?Nein, nein, nein… ich habe es geahnt, dass es kommen würde“, murmelte sie und begann, im Raum auf und ab zu laufen, als k?nnte sie ihre schlanken Beine nicht mehr kontrollieren.

  ?Was meinst du damit?“, fragte Adair Shanna über ihre mentale Verbindung, weil sie ihren Blick nicht auf sie gerichtet hatte. Sie konnte nichts h?ren, wenn jetzt laut gesprochen wurde. Mittlerweile hatte Shanna sich daran gew?hnt, dass sie Stimmen in ihrem Kopf wahrnahm... es erschreckte sie nicht mehr so sehr wie am Anfang, wie es der Anschein hatte.

  Shanna erhob wieder ihren stahlharten violetten Blick. ?Ich habe euch von den abscheulichen Kreaturen erz?hlt... die unter den Hunter wandeln“, meinte sie und ein eisiger Ton hatte sich in ihre Stimme geschlichen. Leicht zuckte sogar sein Wolf vor der Entschlossenheit zurück. ?Ich habe einen unter ihnen gesehen... also bei dem Angriff. Nur kurz, aber er war dagewesen. Wenn er wirklich dort anwesend war, hat er sich nur ein neues Opfer für seine Experimente oder Forschungen gesucht.“

  ?Dieser… zweite J?ger…“, keuchte Sorcha erschrocken und befreite sich aus Adairs Umarmung. Als h?tte eine pl?tzliche Erinnerung sie tief erschüttert. ?Seine Augen… sie strahlten nur puren Wahnsinn aus. Als würde er von einer ganz anderen Gier gelenkt.“

  ?Genau das meine ich“, nickte Shanna. ?Diese J?ger sind unter uns die gef?hrlichsten und unberechenbarsten. Sie zeigen keinerlei Mitgefühl oder Erbarmen, weil sie nur ihrer eigenen Gier und Freude dienen... auf Kosten anderer.“ Sie seufzte schwer, und ihre Schultern sackten ersch?pft herab. ?Wenn Neil… wenn er wirklich in Gefangenschaft geraten ist… wird das nicht leicht werden.“

  Adair schluckte hart. War sein bester Freund, sein Beta, tats?chlich in Gefangenschaft geraten? Er hatte gerade kurz bei allen Kriegern nachgefragt, die Neil unterstellt waren. Keiner hatte ihn mehr gesehen, nachdem sie vom Schlachtfeld zurückgekehrt waren. Viele hatten angenommen, er sei bereits wieder auf dem Rudelgel?nde, weil er andere Pflichten zu erledigen habe. Jeder hatte gedacht, er sei woanders besch?ftigt... doch dem war nicht so. Neil würde seinen Posten niemals derart verlassen. Es konnte nur eines bedeuten. ?Dann suchen wir die besten W?lfe aus und holen ihn raus“, knurrte Adair düster. ?Wir lassen ihn nicht zurück.“

  ?Nein“, ert?nte Shannas Stimme hart und entschieden. ?Egal, was ihr tun würdet oder welche Krieger ihr ausw?hlen würdet... ihr würdet ihn niemals erreichen.“

  ?Was soll das hei?en?“, protestierte Adair wütend, w?hrend Sorcha vor ihm einen schockierten Laut von sich gab.

  Shannas Augen funkelten vor Wehmut, als wüsste sie über alles Bescheid. ?Ich wollte, dass niemand von euch je diese Grenze überschreitet“, sagte sie leise. ?Denn es ist die H?lle für jedes Wesen... selbst für uns. Ich habe viele Berichte darüber gelesen.“ Ihre Stimme klang mitleidig, doch in ihren Augen loderten gleichzeitig Wut und Zorn. ?Neil wird in einem Gef?ngnis für Mythenwesen gefangen gehalten, das steht au?er Frage. Für uns J?ger gibt es nur diesen einen Ort, wohin sie gebracht werden. Und von dort gibt es kein Entkommen... egal, wie sehr man sich bemüht.“

  ?Wie… wie meinst du das…?“, fragte Sorcha mit heiserer, entsetzter Stimme.

  ?Wo… wo ist mein Bruder, Shanna?“, setzte sie energischer nach. Adair konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen.

  ?Das H?llen-Labyrinth“, antwortete Shanna. ?Es gibt keinen Ein- und keinen Ausgang. Dort herrschen nur extreme Bedingungen und Bereiche, die kaum jemand begreifen kann. Keiner wei?, woher dieses Labyrinth stammt oder wie es entstanden ist. Nur wenige unter uns J?gern besitzen die F?higkeit, dorthin zu gelangen. Es dient als Gef?ngnis und gleichzeitig als Folterort... weil die unnatürlichen Bedingungen gezielt gegen die Natur eines jeden Wesens versto?en. W?rst du ein Eiswesen, würdest du in eine H?lle aus Feuer gesteckt. Oder umgekehrt.“ Adair stockte der Atem. Eine G?nsehaut breitete sich über seinen ganzen K?rper aus.

  H?llen-Labyrinth…

  Nie zuvor hatte Adair diesen Namen geh?rt. Nicht einmal Gerüchte über einen solchen Ort waren je zu ihm durchgedrungen. Er konnte sich gut vorstellen, dass es bei vielen anderen Wesenfraktionen dasselbe Problem gab. Wenn das stimmte, dann existierte die pure H?lle tats?chlich. Deshalb fand man auch nie jemanden wieder, wenn eigene Mitglieder gefangen genommen wurden. Sie befanden sich in einer anderen … aye, wie nannte man das? In einer anderen Ebene? In einer v?llig anderen Welt?

  ?Neil…“, keuchte Sorcha mit erstickter Stimme. Adair sah, wie ihre Augen sich vor Entsetzen weiteten und die ersten Tr?nen über ihre Wangen liefen. Dieser Wolf war ihr geliebter Bruder. Wenn er sich wirklich in dieser H?lle befand, musste er unvorstellbares Leid ertragen. Oder sie mussten befürchten, dass sie ihn ebenfalls verlieren würden. ?Wa… was müssen wir tun, Shanna? Ich ertrage nicht… noch einen solchen Verlust“, schluchzte sie, und die Tr?nen flossen nun in Str?men. Adairs Wolf dr?ngte sich nach vorn... er schlang die Arme von hinten um sie und hielt sie fest. Er würde immer bei ihr sein.

  Shanna schwieg eine lange Weile. ?Ich werde gehen“, sagte sie schlie?lich mit einer Entschlossenheit, die selbst ihn schockierte.

  ?Was?“, fragte Adair irritiert und verwirrt. ?Du hast doch gesagt, du wirst gejagt. Sie suchen nach dir. Sie würden dich t?ten, sobald sie dich finden.“

  ?Ja, das stimmt“, antwortete Shanna mit eiskalter Stimme, als w?re es das Einfachste der Welt. ?Ich bin eine Verr?terin. Aber sie würden nicht mit mir rechnen. Und sie haben einen entscheidenden Fehler begangen.“

  ?Einen Fehler?“, hakte Adair nach, nun noch verwirrter. Doch etwas in Shannas violetten Augen loderte auf... etwas Hei?es, Brennendes, das niemand untersch?tzen sollte.

  Ein schnalzendes Ger?usch kam aus ihrem Mund, eines, das er noch nie zuvor von ihr geh?rt hatte. ?Sie haben mir etwas weggenommen, das ich… zu lieben gelernt habe.“ Sie stockte kurz, als würde der Zorn in ihr kochen. ?Neil geh?rt mir. Er ist… mein Gef?hrte.“

  Schottisches W?rterbuch:

  Mutter: Màthair

  Vater: Athair

  Bruder: Bràthair

  Onkel: uncail

  Gro?vater: seanair

  Gro?mutter: seanmhair

  Meine Herzen: mo chridhe

  Liebling: A ghràidh

  Meine Liebste: mo ghràidh

  Mein Schatz: mo ghràdh

  Mein Alles: Mo shonuachar

  Mein kleines M?dchen: Mo nighean bheag

  Mein Seelengef?hrte: mo anam cara

  Mein Herz und meine Seele: Mo chridhe ?s mo anam

  Seelenbegleiter: Anam chompanach

  Meine Fee: Mo shìthiche

  Meine Schwester: Mo phiuthar

  Meine geliebte Schwester: Mo phiuthar ghràidh

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